St. Anton - Heidelberger Htt.

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Bhf. St. Anton (1280) - Mooser Kreuz (1450) - Heilbronner Htt. (2308) - Galtür (1584) - Ischgl (1376) - Heidelberger Htt. (2264)

61 km, 2020 hm, 5:32

Etappe 1

Etappe 1

Grafik: Widmann mit HACtronic

Es ist 7:15 und ich stehe am Bahnhof. Lässig an mein Bike gelehnt warte ich auf den Zug der uns zu einem Bike-Abenteuer bringen wird, auf das ich mich schon seit fünf Jahren freue. Damals habe ich mir ein Road Book des Uli Stanciu heruntergeladen, auf der eine Alpentransversale beschrieben ist. Stell' dir vor: mit dem Bike über die Alpen - quer darüber hinweg - mit Muskelkraft und Schweiß (und Müsliriegeln und Energiedrinks und all dem Zeug) - von St. Anton am Arlberg nach Riva am Gardasee!

Der Zug kommt, Gerhard, der Typ, der es eine Woche mit mir auszuhalten versucht, steht schon grinsend im Paketwagen und schon sind wir und unsere frisch geputzten und gewarteten Bikes am Weg.

In St. Anton angelangt wird es dann ernst: die Tour beginnt! Wir starten am Bahnhof um Punkt 13:00 und machen uns auf, den Beginn der beschriebenen Route (Mooser Kreuz) zu finden - bis dorthin sind es gleich einmal ein paar Höhenmeter in Richtung Arlbergpass auf der alten Passstraße.

Dann aber wirklich Beginn: zunächst auf Asphalt geht es in das Schönverwalltal (nomen est omen) - akribisch halten wir uns an das Road Book in dem alle 

wichtigen Abzweigungen mit Distanz zum Startort und Höhenangabe vermerkt sind, bis wir merken, dass es eigentlich die Wanderkarte eh auch tut und das Werk von Uli nur in Notfällen herhalten muss.

Mit einem schiefen Lächeln lassen wir

Das Schönverwalltal

Das Schönverwalltal

Foto: Widmann

das Rasthaus Verwall und die Konstanzer Hütte links liegen und fahren jetzt auf Schotter weiter nach Süden auf dem Wanderweg 517 - wir haben ja noch viel mehr vor heute. Schon bald gelangen wir zur Schönverwall Hütte, fragen einen einheimischen Biker nach dem Weg und erfahren, dass es a) da schon zur Heilbronner Hütte geht, es aber b) da ein wenig zum Tragen wird. Wir nehmen es gelassen: eine Transalp ohne Schiebe- oder Tragestrecken? Kann es nicht geben ...

"Gnatsch" macht es, als Gerhards schön geputztes, inzwischen aber eh schon ein wenig angestaubtes Vorderrad bis zur Nabe im Schlamm versinkt ... und "schlurpf", als er seinen Schuh aus dem Morast zieht: tja, wie gesagt: kein Kindergeburtstag (hmpfhihihi)! Trotzdem sehr gut gelaunt erreichen wir die Hütte nach einer ersten Schiebestrecke von vielleicht 150 Höhenmetern und während ich auf Gerhard warte, habe ich die Muse mich ein wenig mit den Bikes zu beschäftigen, die da so abgestellt sind: Cannondale, Steppenwolf, Trek, Specialized, Rothwild, ... natürlich fast ausschließlich Fullys, manche sogar in Carbon: still und leise lehne ich mein Bianchi-Hardtail in eine Ecke und berate mich mit ihm, wie, wo und wann wir es den "Großkopferten" zeigen werden.

Dann ein schneller Kaffee und ein Marillenkuchen vom griesgrämigen Wirten und weiter geht es Richtung Galtür - und diese Richtung ist eine gute, geht es eigentlich bis dorthin bis auf wenige Ausnahmen fast ausschließlich bergab: "das Downhillen ist des Bikers Lust"!

Nur aufgehalten von einem Patschen (der einzige Defekt übrigens) erreichen wir gut 500 hm weiter unten das Zeinisjoch Haus bzw. später dann Galtür: und wie man sich einen Nagel quer durch den Reifen - von Seitenwand zu Seitenwand - einfahren kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben ...

Nachzutragen wäre noch, dass wir nicht nur alles auf Schotter gefahren sind, sondern brav dem Wanderweg gefolgt sind, was einige schwierige Bergauf- und Bergab-Trials nach sich gezogen hat! Hat der Uli gut ausgesucht: nur Schotterstraße ist auf Dauer auch nicht das einzig Wahre!

In Galtür bestaunen wir die gewaltigen Lawinenverbauten in unmittelbarer Ortsnähe - na die wissen schon warum - und fahren relativ rasch weiter nach Ischgl, wo wir über eine Bäckerei und einen Spar herfallen, wie einst die Hugenotten über Mitteleuropa: Essen und Trinken muss her, schließlich habe wir noch beinahe 1000 Höhenmeter bis zum Heiabettchen!

Es mag schon 18:00 gewesen sein, als wir uns anschicken, den letzten "Hügel" ("eineinhalb Gis" nennen wir es: auf die Gis - unser aller Hausberg bei Linz - sind es nämlich etwa 600 hm) zu beradeln. Und der wehrt sich heftigst mit schenkelzerfetzenden Steigungen gleich zu Beginn; wenn das nicht asphaltiert wäre ...

Doch glücklicherweise ist das nur bis zum Bodenhaus so - der schotterige WW302 ist dann steigungsmäßig schon um einiges einfühlsamer: und das ist gut so, denn unsere Rückenstrecker sind das lange Biken noch nicht gewohnt und der Rucksack tut trotz Minimalgewicht das seine, uns das Radln zu vermiesen. Aber wenn du glaubst es geht nicht mehr, ... plötzlich taucht der Allrad des Hüttenwirtes der Heidelberger Hütte hinter uns auf: "Nimmst uns unsere Rucksäck mid aufi?" - "Eh kloa, hauts es eina!"

"Frohen Mutes" und gröber belustigt (Pickerl am 4x4: "Ist mein Auto hoch und breit, tank ich viel und fahr nicht weit!") fallen auch noch die letzten 300 hm - den Grenzübertritt in die Schweiz registrieren wir kaum. Es ist schon am Dämmern, als wir die Hütte erreichen: auch hier wieder das selbe Bild: sicher an die 60 Bikes, eines teurer als das andere. Und in der Hütte kaum Wanderer, nur Biker, Biker, Biker ...

Nach ein wenig "socializing" (= Tratschen) sind wir über die Hüttenruhe = 22:00 recht froh. Aber eine Frage hätte ich noch: ist Schnarchen trotz Hüttenruhe erlaubt? Sch... Matratzenlager!!!

 

© Manfred Widmann

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